Narciso Yepes

Narciso Yepes

Narciso Yepes wuchs in einer ärmlichen Familie in Lorca in Südspanien auf. Sein Vater gab ihm seine erste Gitarre, als er vier Jahre alt war. Er nahm seinen ersten Unterricht bei Jesus Guevara in Lorca. Später, als der spanische Bürgerkrieg 1936 begann, siedelte seine Familie um nach Valencia.

Im Alter von 13 wurde Narciso Yepes als Student in das Konservatorium von Valencia unter Obhut vom Pianisten und Komponisten Vicente Asencio genommen. Hier nahm er an Kursen in Harmonie, Komposition und Aufführung teil.

Klassischer Gitarrist

Am 16. Dezember 1947 hatte er sein Debüt in Madrid und spielte das Concierto de Aranjuez von Joaquin Rodrigo mit dem spanischen Nationalorchester mit Ataúlfo Argenta as Dirigent. Der gewaltige Erfolg dieser Aufführung brachte ihm Ruhm sowohl auf der Seite der Kritiker als auch des Publikums. Kurz danach fing Yepes an, mit Argenta auf Tournee zu gehen, und besuchte die Schweiz, Italien, Deutschland und Frankreich. Während dieser Zeit war es weitgehend sein Verdienst, dass das Concierto de Aranjuez wachsende Beliebtheit genoss.

In 1950, nach Aufführungen in Paris, verbrachte Narciso Yepes ein Jahr mit dem Studium von Interpretationen unter dem Geiger George Enesco und dem Pianisten Walter Gieseking. Er studierte ebenfalls informell mit Nadia Boulanger. Danach folgte ein langer Aufenthalt in Italien, wo er von Kontakten mit Artisten aller Art profitierte.

Die Karriere von Narciso Yepes erreichte 1952 eine neue Ebene, als er einen traditionellen Song für Gitarre namens "Romance"arrangierte. Dieser Song wurde später von My Chemical Romance und Pearl Jam gecovert, und zudem für die Titelmusik zu dem Film Verbotene Spiele (Jeux interdits) von René Clément verwendet. Yepes steuerte darüber hinaus noch weitere Stücke für den Soundtrack des Films bei. Seine späteren Verdienste als Komponist von Filmmusik schließen die Soundtracks zu "Das Mädchen mit den Goldaugen" (1961) und "La viuda del capitan Estrada" (Witwe des Kapitän Estrada) (1991) ein. Zudem spielte er als Darsteller einen Musiker in der 1967er Filmversion von "El amor brujo".

Die spezielle Stimmung

Im Jahr 1964 führte Yepes das Concierto de Aranjuez mit den Berliner Philharmonikern auf, wobei seine 10-saitige Gitarre ihre Premiere hatte. Er hatte die Gitarre in Zusammenarbeit mit dem berühmten Gitarrenbauer José Ramirez erfunden. Yepes war der größte Befürworter der 10-Saitigen Gitarre, ein Instrument, das es ermöglichte, Werke, die ursprünglich für die barocke Flöte geschrieben waren, ohne die schädliche Transponierung der Bassnoten zu überschreiben. Der Hauptgrund für die Erfindung dieses Instruments war die Hinzunahme von Saitenresonatoren, die auf C, A#, G#, F# gestimmt waren, woraus die erste Gitarre mit wirklich chromatischer Saitenresonanz entstand - ähnlich wie bei einem Klavier mit dem Sustain/Pedal Mechanismus.

Nach 1964 spielte Yepes ausschließlich die 10-saitige Gitarre und tourte auf allen sechs bewohnten Kontinenten, sowohl mit Musikabenden als mit den führenden Orchestern der Welt. Er hatte durchschnittlich 130 Auftritte pro Jahr.

Ein Forscher im Auftrag der Musik

Neben dem großartigen Musiker war Yepes auch ein bedeutender Gelehrter. Seine Forschungen zu vergessenen Manuskripten des 16. und 17. Jahrhunderts führten zu einer Wiederentdeckung von zahlreichen Gitarren- oder Lautenwerke. Er war auch der erste, der die kompletten Lautenwerke von Bach auf Instrumenten jener Zeit (14-chorige Barocklaute) aufnahm. Außerdem entwickelte Narciso Yepes durch seine geduldige und intensive Einstudierung seines Instruments eine revolutionäre Technik und ungeahnte Ressourcen und Möglichkeiten.

Ihm kamen viele offizielle Auszeichnungen zuteil, einschließlich der Goldmedaille für Distinction in Arts, verliehen durch König Juan Carlos I.; Mitgliedschaft der Akademie "Alfonso X el Sabio" und eine Ehrendoktorwürde der Universität Murcia. In 1986 wurde ihm der Nationale Musikpreis Spaniens verliehen und er wurde einstimmig in die Spanische Königliche Akademie der Schönen Künste gewählt.

Seit 1993 schränkte Narciso Yepes seine öffentlichen Auftritte wegen Krankheit ein. Er gab sein letztes Konzert am 1. März 1996 in Santander (Spanien) und verstarb 1997 in Murcia.
Yepes war mit Marysia Szummakowska verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Ignacio arbeitet als Orchesterdirigent und ihre Tochter Ana ist Tänzerin und Choreographin.